Hermann Köhl – Held des Himmels

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Fliegen ist billig. Discountermäßig werden Flugreisen verramscht. Kaum jemand macht sich noch Gedanken darüber, dass es eigentlich ein riesengroßes Wunder ist, dass Menschen in tonnenschweren Stahlkisten über die Wolken segeln. Es ist eigentlich noch gar nicht so lange her, da war die Fliegerei noch ein echtes Abenteuer für echte Kerle – oder mutige Mädchen. Charles Lindbergh schaffte es 1927, als erster Mensch in einem spektakulären Nonstop-Alleinflug den Atlantik von Amerika nach Europa zu überqueren. Amelia Earhart tat es ihm fünf Jahre später als erste Frau gleich. 1928 wagte der deutsche Flugpionier Hermann Köhl das Ganze in umgekehrter Richtung und ging damit ebenfalls in die Geschichte der Luftfahrt ein. Vor 85 Jahren endete dieser Flug beinahe tödlich.

Hermann_KöhlHermann Köhls (1888 – 1938) Leben war bestimmt durch die Fliegerei. Der gebürtige Neu-Ulmer war Kampfflieger im Ersten Weltkrieg und stieg 1925 in den zivilen Luftverkehr bei der Junkers-AG ein. Lindberghs Atlantiküberquerung faszinierte ihn so sehr, dass er alles daran setzte, diese Route in umgekehrter Richtung anzugehen. Nach jahrelangen Übungs- und Erkundungsflügen startete der Flugpionier schließlich in der Junkers-W33 „Bremen“ von Berlin-Tempelhof über Irland nach Nordamerika. Das eigentliche Ziel New York verfehlten der Pilot und seine beiden Mitflieger allerdings. Mit letzten Treibstoffreserven und im Blindflug in Nebel und Sturm setzte die Junkers-Maschine schließlich auf Greeny Island vor der kanadischen Küste auf einem zugefrorenen Weiher auf und brach ein.

Das Flugzeug war nicht zu retten, aber Köhl und seine Mitflieger wurden in New York mit einer Konfettiparade empfangen, wohin sie mit einem Hilfsflugzeug gelangten. Auch in Berlin wurde der Held der Lüfte frenetisch gefeiert. Als 1933 die Nationalsozialisten die Macht errangen, wurde es still um den Flugpionier. Als erklärter Gegner Hitlers und der NSDAP weigerte er sich, in die Partei einzutreten, was seine Karriere beendete. Er wurde mit einem Rede- und Flugverbot belegt. Köhl zog sich nach Pfaffenhofen an der Roth zurück, malte und schrieb Bücher und verstarb 50-jährig an einem Nierenleiden, dass er sich wohl beim Fliegen zugezogen hatte.

Zu seinem 125-jährigen Geburtstag hat seine Geburtsstadt Neu-Ulm ein „Hermann-Köhl-Jahr“ mit zahlreichen Veranstaltungen ausgerufen: http://nu.neu-ulm.de/de/neu-ulm-erleben/veranstaltungen/hermann-koehl-jubilaeum/

In Pfaffenhofen an der Roth erinnert ein „Hermann-Köhl-Museum“ an den Ozeanflieger: http://www.markt-pfaffenhofen.de/index.php?id=0,119

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Autorin: Petra Anne-Marie Kollmannsberger
Bildquelle: Bundesarchiv / Wikimedia Commons, v.l.n.r.: Hermann Köhl, Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld, James Fitzmaurice