Jokers Morgen-Grauen, Teil 1

      4 Kommentare zu Jokers Morgen-Grauen, Teil 1

Wenn er ins Büro kommt, liegen seine Kollegen der Jokers-Werbeabteilung oft noch im Bett. Doch in den ruhigen Stunden bis zum alltäglichen Werber-Wahnsinn bringt Kollege „Christoph Anton Lech“ nicht nur seine besten Ideen zu Computer, er kommt auch auf dumme Gedanken – und die schreibt er ebenfalls auf. Damit auch solche Texte nicht ungenutzt bleiben, haben wir den Kollegen gebeten, uns einmal die Woche seine morgendlichen Gedankengänge zur Verfügung zu stellen. Wir haben dafür im Jokers Literaturblog die Rubrik „Jokers Morgen-Grauen“ erfunden…

Soso, meine Schreibübungen (darum handelt es sich bei meinen „dummen Gedanken“ nämlich, von welchem der lieben Kollegen stammt diese Frechheit?) sollen jetzt also veröffentlicht werden. Tatsächlich mache ich das, was der Sportler als warmlaufen oder aufwärmen bezeichnet, auch morgens im Büro. Man könnte es warmschreiben oder einschreiben nennen. Wenn man möglichst effektiv sinnvolle, lesbare, informative und dadurch natürlich auch werbewirksame Texte produzieren soll, ist das sehr hilfreich: Das Gehirn wird in den Schreibmodus versetzt, meist reichen da schon fünf Minuten „Aufwärmzeit“.

Jedenfalls stelle ich hier nun einmal die Woche, meist wohl Freitags, ein paar Schreibübungen online – unter Pseudonym, versteht sich. Schließlich soll nicht, wenn man „dumme Gedanken“ googelt (ja, ich bin nachtragend!), bei den Google Suggests an erster Stelle mein realer Name kommen. Oder umgekehrt. Also habe ich mich für das Pseudonym Christoph Anton Lech entschieden…

Apropos Google: Suchmaschinen sind ja eigentlich eine feine Sache, auch wenn sie in letzter Zeit wegen ihrer Datensammelei in die Kritik geraten sind. Was die Kritiker meist nicht wissen: Gerade Google kann auf eine sehr lange, sehr seriöse Firmengeschichte zurückblicken, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Wussten Sie nicht? Ist ja auch nur erfunden.

Demnach begann die Geschichte von Google in Russland. Am 1. April 1809 wurde den ukrainischen Gutsbesitzern Wassili Afanasjewitsch und Marija Iwanowna Gogol-Janowski ein Sohn geboren: Nikolai Wassiljewitsch Gogol. Nachdem mit der Viehzucht grade nicht mehr viel Geld zu machen war, verlegten sich Gogols Eltern 1827 auf den Kartoffelanbau. Doch als es an die erste Ernte gehen sollte, tauchte ein unerwartetes Problem auf: Obwohl alle Knechte und Mägde buddelten, als ginge es um ihr Leben (ging es irgendwie ja auch), konnten sie nur wenige Kartoffeln finden. Dem Gut drohte der Ruin, und daher schickte man den jungen Nikolai nach Preußen, wo er die dortigen Anbaumethoden studieren sollte. Doch als er 1829 in die Heimat zurückkehrte, war das Gut schon verkauft worden, die Eltern unbekannt verzogen.

Nikolai Gogol musste eine schlecht bezahlte Stelle im Staatsdienst annehmen. Der Schock des Ruins seiner Familie aber saß tief. Und so quittierte Gogol 1831 bereits wieder den Dienst, mietete sich in einer kleinen Werkstatt ein und begann zu tüfteln. Nie wieder sollte eine Familie in Russland pleite gehen und zerstört werden, weil sie ihre Kartoffeln nicht fand. Und endlich, nach fast vier Jahren hämmern, sägen, nieten und nageln, stellte Gogol im Jahr 1835 auf einem Acker bei St. Petersburg seine erste Kartoffelsuchmaschine vor. Das von Ochsen gezogene Gerät war schon bei der ersten Vorführung ein voller Erfolg – und kam gerade zur rechten Zeit. Denn das Kartoffelsuchproblem zog sich durch die gesamte russische Landwirtschaft. Es drohte eine Hungersnot. Die Universität St. Petersburg verpflichtete daher ihre gesamte Studentenschaft, nach Anweisung von Gogol Kartoffelsuchmaschinen zu bauen, der dafür mit der notwendigen Autorität ausgestattet und zum Professor ernannt wurde. Und zwar, weil die technische Fakultät keine Stellen frei hatte, ironischerweise am Lehrstuhl für Allgemeine Geschichte.

Gogol gründete die Firma „Gogol Kartoffelsuchmaschinen“, die in der Folgezeit rund 1.000 Maschinen pro Jahr baute, die ständig verbessert und effektiver wurden. Für die ganz armen Bauern gab es ein von Menschen gezogenes Modell, für die reicheren wurden Pferde eingesetzt, der Mittelstand blieb beim Ochsen. Doch 1840 fiel Gogol beim Zaren in Ungnade. Durch die Suchmaschinen war Gogol im ganzen Reich bekannt, und so hörte auch ein ehemaliger Knecht seiner Eltern von ihm. Dieser Knecht neidete ihm den Erfolg und verbreitete Gerüchte über Gogols Kindheit. Darunter die Geschichte, Gogol hätte im Alter von fünf Jahren die Katze ertränkt. Der Zar, ein großer Katzenfreund, ordnete Gogols Verhaftung an. Doch der wurde gewarnt und floh nach Preußen, wo er noch einige Freunde hatte, die ihn über Hamburg in die jungen Vereinigten Staaten von Amerika schleusten…

… aber vielleicht dazu nächste Woche mehr. Schaumermal. Man sieht ja schon, wohin die Reise geht. Der Morgengruß der Woche lautete übrigens: „Einen wunderschönen guten Morgäääääääähn!“ Frau K. kam grade an und braucht wohl erst mal einen Kaffee.

4 thoughts on “Jokers Morgen-Grauen, Teil 1

  1. Dr. Friedrich-Wilhelm Raunemann

    Dazu fällt mir nur ein: Der frühe Vogel fängt den Wurm, aber erst die zweite Maus bekommt den Käse!
    Soll doch der „Kollege“ lieber etwas länger im Bettchen bleiben, das würde ihm sicher gut tun – und er würde nicht solch hahnebüchenes Zeug von sich geben. Eindeutig Schlafmangel. Soll das witzig sein?

    1. Kerstin

      Lassen Sie sich von solchen Kommentaren nicht vom Schreiben abhalten, werter Herr Christoph Anton! Der Herr Dr. Raunemann mag mit vielen Gaben gesegnet, Humor bzw. die Lust am skurrilen Wortwitz und um-die-Ecke-Denken wurde dem Miesnickel offensichtlich nicht in die Wiege gelegt. Egal. Mir hat Ihre Kolumne viel Spaß bereitet, ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

  2. Gerlinde Mages

    Könnte witzig sein. Wenn man das Ganze etwas eindampfen und dem Text die Längen nehmen würde. Man muss ja nicht das ganze Morgähn-Gegähne in epischer Breite bringen.

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