Jokers empfiehlt: Ins Dunkel hinein

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Diese Woche empfehlen wir einen Unterhaltungsroman. Leicht und aufregend unspektakulär mit einer unterschwellig wachsenden Spannung. Charles Frazier belohnt uns nach seinem erfolgreichen ersten Roman “Unterwegs nach Cold Mountain” nun endlich wieder mit einem literarischen Festmahl…

Die Buchempfehlung

Bekannt wurde der Autor Charles Frazier durch die Verfilmung seines 1997 erschienenen, ersten Romans “Unterwegs nach Cold Mountain”. Sein zweiter Roman blieb in Deutschland relativ unbeachtet. Doch nun ist sein dritter Roman unter dem Titel “Ins Dunkel hinein” erschienen, der nicht nur in seiner Handlung sondern auch in seiner sprachlichen Qualität mit dem Debüterfolg mehr als nur mithalten kann.
Der Roman fasziniert auf vielfältige Weise. Die Atmosphäre ist düster und melancholisch aber nicht hoffnungslos. Die Sprache ist recht einfach gehalten. Sätze sind manchmal nur Bruchstücke oder Gedankenfetzen, aber verstärken die Eindrücke überzeugend. Der dichte, bildstarke Stil erfasst den Leser von der ersten Seite an und reißt ihn mit sich durch uramerikanische Szenen, in denen er schmierigen, aber originellen, authentisch wirkenden Charakteren begegnet. Es sind Sonderlinge, Menschen die ihre ganz eigenen Vorstellungen vom Leben haben. Sie sind Produkte der rauen Gegebenheiten und gleichzeitig Opfer ihrer sozialen Verhältnisse. Die Protagonistin behält dabei immer einen klaren Kopf.
Schleichend entwickelt sich das Buch zum Krimi. Die Spannung steigt. Bud ist ein unberechenbarer Mann, der vor nichts zurückschreckt. Er räumt aus dem Weg, was ihm nicht passt und seine Freiheit gefährden könnte. Aber zwischen den Menschen, zwischen Luce, Stubblefield und einer ebenfalls allein lebenden Nachbarin, findet eine Annährung statt, die in bedingungslosen Zusammenhalt mündet. Die Gefahr wächst dennoch. Charles Frazier spannt seine Leser auf die Folter. Er lässt ihn im Dunkeln tappen: Man kann nicht erahnen, wie das Drama enden, sondern nur hoffen, dass es gut ausgehen wird.

Ins Dunkel hinein von Charles Frazier

Zum Inhalt

Verstört, sprachlos, irgendwie zurückgeblieben – so kommen die Zwillinge Dolores und Frank bei Tante Luce an. Vermutlich waren sie dabei, als ihre Mutter starb, ermordet von Bud, einem brutalen Gelegenheitsgauner und ehemaligen Lebensgefährten der Mutter. Luce gewinnt langsam das Vertrauen der Zwillinge, und auch sie selbst, die Außenseiterin, die in einem verfallenden Sommerhaus in North Carolina lebt, scheint zur Ruhe zu kommen. Auf eine leichte, aufregend unspektakuläre Weise gelingt es Charles Frazier, eine Handvoll fragiler Menschen vor den Gefahren zu retten, die sie immer enger zu umschließen drohen.

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