Die Stille hören

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Neulich mal wieder eine alte CD ausgegraben, angehört, begeistert gewesen – derzeit läuft sie im Autoradio in Endlosschleife. Es handelt sich dabei um die Filmmusik zu „Jenseits der Stille“, Caroline Links (geb. 1964) Kinodebüt aus dem Jahr 1996, die mit ihrem Oscar-gekrönten Meisterwerk „Nirgendwo in Afrika“ (2001) – einer Verfilmung von Stefanie Zweigs (geb. 1932) autobiographischem Roman – für Furore sorgte. Link drehte außerdem „Pünktchen und Anton“ (1999), „Im Winter ein Jahr“ (2008) und „Exit Marrakech“ (2013).

„Jenseits der Stille“ ist ein bewegender Film, der die große Stille zelebriert und durch seine überragende Begleitmusik und die großartigen Schauspieler unglaublich mitreißend ist. Erzählt wird die Geschichte von Lara (Tatjana Trieb und Sylvie Testud), die als Kind gehörloser Eltern aufwächst. Lara kann hören und bewegt sich in beiden Welten – der der Stille und der lauten. Konflikte bleiben da nicht aus. Durch ihre hörende Tochter können die taubstummen Eltern Kai (Emmanuelle Laborit) und Martin (Howie Seago) zwar besser an der Welt der so genannten „Normalen“ teilhaben, fühlen sich dort aber ziemlich fremd. Sie leben in ihrem eigenen kleinen Universum, das sie nicht durch außen gestört sehen möchten. Am liebsten würden sie Lara dort hinein integrieren, was natürlich nicht gelingt.

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Die Situation spitzt sich zu, als Lara von ihrer Tante, einer Musikerin, eine Klarinette geschenkt bekommt. Fortan ist das Mädchen noch stärker in der „normalen“ Welt unterwegs und entfremdet sich ihren Eltern zunehmend. Kai und Martin können nicht erahnen, was Musik für ihre Tochter bedeutet und reagieren auf deren Begeisterung mit Ablehnung und Unverständnis – aus der Angst heraus, ihre Tochter an die hörende Welt zu verlieren. Dass sie sie dadurch nur umso stärker von sich wegtreiben, verstehen sie nicht. Als Lara auch noch auf einem Konservatorium im weit entfernten Berlin studieren will, droht die Familie endgültig auseinander zu brechen.

Der Soundtrack zum Film könnte passender nicht sein: wunderbare Klarinettenmusik, komponiert von Niki Reiser und dezent unterlegt mit Orchestersound. An der Klarinette: Claudio Puntin, Michael Heitzler und Giuseppe Solera. Eingerahmt wird die Abfolge der Klarinettenstücke von „I Will Survive“ (Gloria Gaynor) und „Were On My Mind“ (Sylvia Fricker). Das Highlight schlechthin aber ist ein Gastauftritt des Klarinettenkünstlers Giora Feidman.

Gönnen Sie sich dieses cineastische und musikalische Erlebnis:

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Autorin: Petra Anne-Marie Kollmannsberger