Können Ratten lesen?

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Natürlich! Schließlich gibt es ja den Begriff „Leseratte“ – und zu dieser Spezies gehört Walter. Walter ist kein gewöhnliches Nagetier, denn er kann lesen. Deswegen hat er sich auch nach Sir Walter Scott benannt, über den er beim Schmökern mal gestolpert ist. Sir Walter also, die Leseratte, lebt im Paradies – nämlich in der Bibliothek von Miss Pomeroy, einer alten und etwas schrulligen Dame, die Kinderbücher schreibt. Keine Angst, das Nagetier ist clever genug und weiß, dass man Bücher nicht anknabbern darf, sonst geht ja der Inhalt verloren.

Eines Tages entdeckt Sir Walter in Miss Pomeroys Bücherregalen eine besonders spannende Geschichte – und muss sich doch sehr darüber ärgern. Denn die Hauptrolle spielt eine Maus. Das, findet der Rattenmann, geht gar nicht. Warum hat die Lady in ihren Beständen keine Bücher über Ratten? Sir Walter, der als kultivierte Ratte sehr unter dem schlechten Ruf seiner Artgenossen leidet, beschließt, Miss Pomeroy einen Brief zu schreiben und den Fall klarzustellen. Wie gut, dass ihre alte Schreibmaschine immer offen herumsteht.

Es entspinnt sich ein reger Briefwechsel zwischen der alten Dame und dem Ratterich. Die beiden haben sich viel zu sagen – so viel, dass sie über die Zeit richtig gute Brieffreunde werden. Miss Pomeroy ahnte natürlich schon längst, dass sich das Rattentier bei ihr eingenistet hat, ihre Bücher liest und Essen in der Küche klaut. Aber gesehen hatte sie Sir Walter nie, denn der blieb vorsichtshalber immer schön in Deckung. Man weiß ja, wie die Menschen sind!

Doch Miss Pomeroy ist anders. Sie mag Walter und gönnt ihm die Nahrung, die er stibitzt. Und sie duldet ihn nur allzu gerne in ihrer Bibliothek, zumal er so schöne Briefe schreibt. Denn die alte Dame ist etwas einsam und mit dem rattischen Sir und seiner Korrespondenz kommt Leben ins Haus. Irgendwann beschließen die beiden, sich kennenzulernen. Sie machen einen Treffpunkt aus und sind beide sehr aufgeregt. Das Date am Gartenteich verläuft angenehm. Die beiden ungleichen Wesen sind sich auf Anhieb sympathisch – der Beginn einer großen Freundschaft!

Ein wirklich liebenswertes kleines Büchlein hat die englische Autorin Barbara Wersba geschrieben, über ein großes Thema: die Liebe – zur Literatur und zueinander. Ein Kleinod mit edlem Leinenrücken und wunderbar leichten Federzeichnungen von Donna Diamond. Für große und kleine Träumer und „Leseratten“  – nicht nur zu Weihnachten; aber am Fest der Feste ein besonders schönes Geschenk, für Menschen, die man mag. Schließlich erfüllt sich für Walter und Miss Pomeroy der größte Weihnachtswunsch, nicht mehr einsam zu sein…

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Autorin: Petra Anne-Marie Kollmannsberger