Von kalten Hunden, toten Tanten und versoffenen Jungfrauen

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Über Jägerschnitzel und Holzfällersteak kann man immer wieder herzhaft lachen – nein, da wurden keine Jäger und Holzfäller verwurstet! Aber es gibt noch mehr kulinarische Kuriositäten. Wer einen Kalten Hund auf dem Teller liegen hat, muss sich vor Gebell nicht fürchten, denn es handelt sich um einen „Kuchen ohne Backen“ – in eine Kastenform geschichtete Kakao-Kokosfett-Creme mit Butterkeksen. Ab damit in den Kühlschrank, damit die Süßspeise aushärtet, fertig. Der Name leitet sich vermutlich von den Grubenförderwagen im Bergbau ab, den so genannten Hunten, deren Kastenform Ähnlichkeit mit einer Backform aufweist.

Wer es mit einem Armen Ritter oder einer Versoffenen Jungfrau zu tun hat, darf sich freuen – Gaumenfreuden winken in Form von süßen Semmelspeisen. Im ersten Fall machen trockene Brötchen Bekanntschaft mit einer gezuckerten Milch-Ei-Masse und werden ausgebacken. Im zweiten Fall wird die Milch durch Rotwein ersetzt – die beschwipste Variante!

Etwas pikant im übertragenen Sinne muten die Nonnenfürzle an: kleines kugeliges Schmalzgebäck. Über den Namen gibt es wilde Spekulationen. Sprachwissenschaftlich ist zu sagen, dass hinter dem frivolen Begriff das niederdeutsche Wort „Nunnekenfurt“ steckt, was so viel bedeutet wie „von Nonnen am besten zubereitet“ – woraus Nonnenfürtchen und schließlich die Nonnenfürzchen wurden.

Über eine Tote Tante muss nicht getrauert werden, sie gibt eher Anlass zur Freude. Zumindest wärmt sie an kalten Wintertagen, denn diese Spezialität aus Ostfriesland wird gemixt aus heißem Kakao und einem ordentlichen Schuss Rum. Auch die diversen „Mohren“, die durch die Küche geistern, sind wahre Freudenspender für Leckermäuler. Der Mohr im Hemd etwa ist eine kompakte, gugelhupfartige und mit Schokosauce übergossene Süßspeise, die mit Sahne garniert wird. Politisch natürlich überhaupt nicht korrekt – aber damit ist die Assoziation eines Schwarzen mit weißem Hemd gegeben. Der Mohrenkopf oder Negerkuss hingegen braucht keine Erklärung und wird heutzutage ganz antirassistisch als Schokokuss oder Schaumkuss bezeichnet.

Ganz anders liegt der Fall beim Hasen, der manchmal im Pfeffer liegt, manchmal auch auf dem Teller, etwa als Falscher Hase. Hier haben wir es also mit einem schnöden Täuschungsmanöver zu tun. Denn der Hase, der gar keiner ist, ist in Wirklichkeit ein einfacher Hackbraten. Ebenfalls kein echter Hase ist der Dachhase, ein Gericht aus der „schlechten Zeit“, wie meine Großmutter zu sagen pflegte. Hinter dem Hasen auf dem Dach verbarg sich eine Katze, in kargen Kriegszeiten gefangen, zubereitet und als Langohr getarnt, da der Genuss von Katzenfleisch in unseren Breitengraden verpönt war und ist.

Erwähnt sei ferner noch ein wenig appetitlich anmutender Begriff für Lungenwurst. Mein Onkel im anderen Teil Deutschlands nannte sie Ulbrichts Husten. Da muss man nicht in die Tiefe gehen, um das ekelerregend zu finden; wahrscheinlich war die Wurst schlicht und ergreifend ungenießbar.

Noch mehr Rezeptnamen zum Staunen und Wundern finden Sie hier:

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Autorin: Petra Anne-Marie Kollmannsberger