Cal: Eine Geschichte von Liebe und Tod

Ein junger Mann und eine reife Frau, eine Liebe, die es nicht geben darf, in einem Land, in 001864516-caldem ein Menschenleben nichts wert zu sein scheint. Bernard MacLavertys Roman aus dem Jahr 1983 thematisiert den Nordirlandkonflikt am Beispiel des 19-jährigen Cal McCluskey, Arbeitersohn, ruhig und verträumt, der, ohne es recht zu wollen und zu begreifen, mitten hinein in die Kämpfe schlittert. Als Katholik im protestantischen Viertel hat er es nicht leicht. Sein Vater ist ihm keine große Hilfe, die Mutter tot. Einsam, wie Cal ist, sucht er Anschluss und findet ihn ausgerechnet in der IRA, der paramilitärischen Irish Republican Army.

Im Abstand von bald 30 Jahren stellt der Roman eine Zeitreise dar in einen der längsten und blutigsten Konflikte in der jüngeren europäischen Geschichte. Was in Nordirland geschah, ist mit dem Verstand kaum zu fassen. Katholiken und Protestanten standen sich feindlich gegenüber und bekämpften sich bis aufs Blut. In diesem Bürgerkrieg, der bis 1998 tobte, verloren fast 4.000 Menschen, größtenteils Zivilisten, ihr Leben infolge der Gewalt.

Ausgelöst wurden der Konflikt durch die Teilung Irlands und die Unabhängigkeit des südlichen Teils als Freistaat 1921 (ab 1948 Republik Irland). In dem bei England verbliebenen nördlichen Teil strebten die katholischen Nationalisten eine Loslösung von Großbritannien und eine Vereinigung mit der Republik Irland an, während die protestantischen Unionisten Teil des britischen Königreichs bleiben wollten. Als sich in den 1970er-Jahren die englische Armee einschaltete, eskalierten die Auseinandersetzungen. Attentate, Brandstiftung und Straßenkämpfe waren an der Tagesordnung. Die Spirale der Gewalt endete erst 1994 mit einem Waffenstillstand der IRA.

Vor diesem Hintergrund spielt sich die Liebesgeschichte zwischen Cal und der wesentlich älteren Marcella Morton ab – Witwe eines IRA-Opfers, bei dessen Ermordung Cal das Fluchtfahrzeug fuhr. Ebenso zerrissen wie das Land, ist auch der Titelheld. Cal lehnt Gewalt ab, sieht sich aber seinen „Freunden“ von der IRA gegenüber in der Pflicht, die ihn aus der Vereinsamung rissen. Der innere Kampf zwischen Loyalität und Ausstiegswillen stürzt ihn in schwere Gewissensnöte.

Pat O’Connor verfilmte 1984 dieses packende Polit-Liebesdrama, mit Helen Mirren als Marcella und John Lynch als Cal – leider nicht mehr erhältlich, außer mit viel Glück als Video auf Flohmärkten oder bei Online-Auktionen. Der Soundtrack allerdings hat überlebt, Mark Knopflers einzigartige Mischung aus Irish Folk und melancholisch-meditativer Gitarrenmusik.


Autorin: Petra Anne-Marie Kollmannsberger

1 thought on “Cal: Eine Geschichte von Liebe und Tod

  1. Caroline Grün

    Ja, schade, dass es den Film nicht mehr gibt. Ich habe ihn seinerzeit im Kino gesehen und würde ihn gerne noch einmal anschauen. Absolut packend, und dazu die geniale Musik von Knopfler

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